Bergseeschijen 2819m

In Berg- Alpintouren by StevenLeave a Comment

Eine Delikatesse als 400. Tour
Bergseeschijen Überschreitung durch das SW-Couloir II

Zur Feier der 400. Tour gab es ein weitere Delikatesse zum verkosten. Nachdem wir letzten Sonntag ohne Gipfelerfolg wieder abgezogen sind klappte es nun beim zweiten Anlauf mit der Besteigung des Bergseeschijen. Letzten Sonntag war beim steilen Altschneefeld im Couloir Endstation. Ohne Steigeisen, Pickel oder Schaufel war das steile und durchgefrorene Schneefeld nicht zu bezwingen. Doch heute rückten wir mit mehr Material an und waren erfolgreich.

Nachdem wir durch die Umfahrung des Gotthardstaus über die Hauptstrasse rund eine halbe Stunde verloren hatten starteten wir um 09:00 bei der Göscheneralp. Auf dem Wanderweg stiegen wir zügig über die Alp Berg zur Bergseehütte auf. Etwas oberhalb der Bergseehütte haben wir dann eine erste Pause eingelegt. Nach der Stärkung stand nun der anspruchsvolle Teil bevor. Auf dem Pfad zum Klettersteig stiegen wir hoch bis an den Fuss des Südgrats des Bergseeschijen. Ab hier ging es nun mit Helm dem Wandfuss entlang hoch Richtung Couloir. Zuerst geht es noch relativ zügig vorwärts auf einem guten Pfad in leichtem Grass. Doch rasch wird es immer gerölliger und auch mühsamer. Es empfiehlt sich im Geröll den wenigen Spuren zu folgen und dafür lieber einige Gegenabstieg in Kauf zu nehmen. Das erste Couloir kann von Alpinwandern kaum für den Aufstieg benutzt werden. Wir haben uns die Sache von oben angesehen und es wäre eine fast senkrechte Kletterpartie notwendig, welche mindestens im III Grad wäre. Doch bald erreichen wir das zweite Couloir von dreien und steigen steil über Schutt in dieses hoch. In diesem hält sich noch immer ein grösseres Altschneefeld welches im oberen Teil, bis auf einen kleinen Spalt am rechten Rand, die gesamte Breite des Couloirs bedeckt.

Das Schneefeld hat sich innerhalb der Woche nur unwesentlich verkleinert. Also war nun Spuren angesagt. Mit Lawinenschaufel und Pickel bewaffnet stieg ich voraus und bahnte eine Spur neben und teilweise auf dem Schneefeld. Das Schneefeld selber ist an der Oberfläche hart durchgefroren und somit weit entfernt von gutem Trittschnee. Aufgrund der Steilheit wäre dies in aktuellen Zustand wohl nur mit Steigeisen, zwei Pickeln und Frontzackentechnik zu bewältigen. Weshalb ich mich entschied zwischen dem Schneefeld und der Felswand eine Spur zu bahnen. Zumal dort bis auf zwei Stellen bereits ein grösserer Spalt vorhanden war. Nach dem Schneefeld folgten dann die Felsstufen welche im II Grad überklettert werden mussten. Die Beschreibung im Alpinwanderführer «Benötigt Kraxelgeschick und Beweglichkeit» trifft den Nagel auf den Kopf. Das Ganze hat mehr etwas von Akrobatik als von Klettern. Bis zu diesen Felsstufen dachte ich immer die Bewertung T5+ sei zu hoch. Doch diese passt sehr gut in Bezug auf die Felsstufen und aktuell auch auf das steile harte Altschneefeld. Von Vorteil ist, dass die Felsstufen nicht so ausgesetzt sind. Nach einiger Zeit und einigen mühen erreichten wir dann aber die Senke im Grat.

Nach einer weiteren Pause ging es mit einem leichten Gegenabstieg und Wiederaufstieg um den NW-Turm herum zur Einsenkung beim ersten Couloir und von dort in der Nähe des NW-Grat hoch zum höchsten Punkt des Bergseeschijen. Hier stiessen wir wieder auf Altschneefelder, aber auch auf jede Menge Kraxelspass durch Felsen und Blöcke. Vom höchsten Punkt ging es dann noch rüber zum Gipfelkreuz und zum zweiten Wipfelschuss. Da sich die Wolken leider nicht so richtig auflösen wollten gab es nur eine kurze Rast.

Auf dem markierten Alpinwanderweg stiegen wir zur Bergseeschijenlücke ab. Auch auf diesem Abschnitt muss noch eine gesicherte Felsstufe abgestiegen werden, welche nicht ganz ohne ist. Der Rest ist schönes Alpinwadergelände. In der Lücke geniessen wir kurz die Aussicht und plaudern mit einem anderen Berggänger, bevor wir absteigen. Der Abstieg über die Plattenstufe bietet dann nochmals etwas Action. Aber aus meiner Sicht keine Schwierigkeiten. Am Fuss der Plattenstufe packen wir das ganze Material korrekt um und ein und nehmen den weiteren Abstieg in Angriff. Welcher sich als etwas mühsam entpuppt. Blockstein-Hopping in eher flachem Gelände. Eine etwas mühsame Sache. Doch dank der Markierungen findet man wenigstens die Route durch das Blockstein-Labyrinth. Dementsprechend froh sind wir als wir die Verzweigung beim Kreuz erreichen und wieder auf den gut ausgebauten Wanderweg treffen. Auf welchem wir, adaptiv zum Aufstieg, zum Parkplatz bei der Göscheneralp absteigen. Im Abstieg ist der Wanderweg dank seinen vielen Stufen sehr angenehm zu Gehen und ermöglicht ein zügiges Absteigen.

Das war sie nun also, die 400. Bergmuzzä Tour. Was für eine coole, nicht ganz einfache, Überschreitung. In diesem Sinne auf zu den nächsten 100 Touren und einem weiteren Meilenstein. Grob gerechnet müsste Nr. 500 Ende 2022 anstehen. Da bin ich doch gespannt was die nächsten 100 Touren so bringen.

Route: Göscheneralp – Bergseehütte – SW-Couloir II – Bergseeschijen – Bergseeschijenlücke – Göscheneralp

Eckdaten Tour  
Distanz Aufstieg: 4.6km
Distanz Abstieg: 4.7km
Höhenmeter Aufstieg: 1120m
Höhenmeter Abstieg: 1120m
Dauer Aufstieg: 4h 25min
Dauer Abstieg: 2h 5min
Pausen: 2h 10min
Schwierigkeit: T5+ II
Benötigte Karten: 3314T Andermatt 1:33333 Gelbe Wanderkarte von Swisstopo
Bestiegene Gipfel: Bergseeschijen 2819m
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