Auf der Direktroute auf den Bau de Vespres am Mont Saint Victoire
Heute habe ich mir einen Traum erfüllt: Die Besteigung des Bau de Vespres am Mont Saint Victoire über die unmarkierte Direktroute von der Baudino Hütte. Eine extrem spannende Route bei perfekten Verhältnissen. Das Wetter, die Verhältnisse, die Route einfach alles hat perfekt gepasst. Somit war es rundum eine gelungene Tour. Dabei hatte ich im Vorfeld schon mit dem schlimmsten gerechnet. Im Juni ist es teilweise schon extrem heiss in der Provence und Touren in der Südflanke des Mont Saint Victoire können zur Tortur werden. Doch heute war dem nicht so. Wir scheinen den perfekten Tag mit angenehm kühlen Temperaturen erwischt zu haben. Das lag aber sicher auch an dem stark böigen Mistralwind.
Wir starteten beim Parkplatz de la Torque bei P.435, welcher an der Hauptstrasse D17 liegt. Zuerst stiegen wir dem markierten Pfad entlang hinauf zum Refuge Barthelemy Baudino. Dieser Pfad entspricht einem T2 Wanderweg und führt gemütlich durch die Vegetation hinauf. Der Pfad ist mit kleinen roten Zeichen markiert und aufgrund der Ausgeprägtheit sehr einfach auszumachen. Man umgeht dabei den Felsriegel La Torque. Dafür kann man die Felsformation dann von oben, vom Refuge aus, sehr gut betrachten. Ein spannender Felskranz. Beim Refuge legen wir dann eine erste Pause ein. Wobei wir aber mehr anziehen müssen. Denn der Mistral bläst uns bereits sehr zackig um die Ohren. Somit haben wir nun lange Hosen und auch lange Oberteile an. Was in der Provence im Juni dann doch eher selten ist auf einer Wanderung.
Nach der Pause folgen wir zuerst kurz dem braunen Wanderweg etwas weiter über und durch die Felsblöcke. Gleich nach den Felsblöcken führen deutliche Spuren steil durch Schutt hinauf zur Wand. Ab hier hat es nun keine Markierungen mehr. Dafür trifft man immer mal wieder auf Steinmänner. Hat man sich das Gelände im Felstrichter mit den Sicherungen im Vorfeld eingeprägt ist die Routenfindung nicht so schwierig. Man muss einfach an den Fuss des ansteigenden Felsbandes gelangen, welches von Osten nach Westen ansteigt. Was grundsätzlich auf vielen Routen möglich ist, wir mussten an einigen Stellen auch etwas die Route suchen und waren sicher nicht überall auf dem eigentlichen Pfad.
Das Gelände wird nach den Felsblöcken im unmarkierten Teil dann deutlich steiler und auch exponierter. Ich würde schätzen irgendwas zwischen T4 und T4+. Punktgenau erreichen wir den Einstieg in das Felsband. Ein eindrücklicher Aufstieg. Vor allem inmitten dieser Felsarena. Ich finde es immer wieder spannend, wie alpin der Mont Saint Victoire sein kann. Nun steigen wir dem Stahlseil entlang über die steile Felsrampe hinauf bis an den Fuss einer Felsstufe. Der Aufstieg dem Stahlseil entlang ist extrem eindrücklich und bewegt sich mit der Felsstufe klar im T5 Bereich. Über die Felsstufe hilft eine massive Kette. Aber auch mit Kette bewegen sich die Schwierigkeiten hier im II-III Grad. Hinzu kommt, dass das Ganze etwas hochtrittig ist. Nach der Felsstufe geht es in einer Felsrinne etwas flacher hoch und nach rechts zur letzten Kette. Welche uns über einen runden und glatten Felsen führt. Danach folgt nur noch Gehgelände welches aber trotzdem steil und schuttig bleibt. Etwas östlich des Bau de Vespres verlassen wir den Kessel und betreten den Grat des Mont Saint Victoire. In wenigen Schritten erreichen wir unser Ziel den Bau de Vespres.
Die Aussicht vom Bau de Vespres ist fast noch besser als vom Pic des Mouches. Da er leicht vorgeschoben ist. Man blickt somit in die steilen Felswände hinein, was sehr eindrücklich ist. Da es hier oben nun schon fast stürmisch windet kommt auch noch die Weste zum Einsatz. Nach dem Wipfelschuss machen wir uns an den Abstieg. Wobei wir zuerst in einigem Auf und Ab dem Wanderweg GR 9 bis zum Col de St-Ser folgen. Dazwischen legen wir an einer windgeschützten Stelle nochmals eine Pause ein. Vom Col de St-Ser folgen wir nun dem roten Pfad hinunter zur Ermitage de St-Ser. Diese Route habe ich ja letzten Oktober bereits im Aufstieg begangen. Wobei ich nun auch noch in den Genuss des westlichen Astes komme. Genussvoll steigen wir im Felskessel ab und geniessen die weiteren beiden gesicherten Stellen. Eine attraktive und unterhaltsame Route im T4 Bereich, mit zwei kettengesicherten Felstufen. Auch im Abstieg ist dieser Pfad ein Genuss. Bei der Ermitage de St-Ser machen wir dann eine dritte Pause und wechseln erneut unser Tenu. Denn ab hier ist nun wieder T-Shirt Wetter. Unser Rückweg führt uns zuerst auf dem braunen Wanderweg etwas zurück in Richtung Reguge Baudino. Wobei wir für den weiteren Abstieg den unmarkierten Pfad nehmen, welcher vom braunen Pfad hinunter nach Genty führt. Dieser Pfad ist dann teilweise etwas ein Kampf mit der Vegetation. Er ist bereits ziemlich zugewachsen und auch unmarkiert. Ab Genty können wir dann für den weiteren Abstieg der Fahrstrasse folgen. Auf dieser erreichen wir dann einfach wieder die Hauptstrasse D17. Dieser entlang gehen wir nun zurück zum Parkplatz de la Torque.
Route: Parking de la Torque – Refuge Baudino – Bau de Vespres – Col de Vauvenargues – Col de St-Ser – Ermitage St-Ser – Genty – Parking de la Torque
| Eckdaten Tour | |
| Distanz Aufstieg: | 2.8km |
| Distanz Abstieg: | 4.3km |
| Höhenmeter Aufstieg: | 700m |
| Höhenmeter Abstieg: | 700m |
| Dauer Aufstieg: | 1h 55min |
| Dauer Abstieg: | 2h |
| Pausen: | 1h 25min |
| Schwierigkeit: | T5 II |
| Benötigte Karten: | 3244ET – Montagne Ste-Victoire Aix-En-Provence |
| Bestiegene Gipfel: | Bau de Vespres 1010m |

