Piz Murterchömbel 2998m

In Berg- Alpintouren by StevenLeave a Comment

Neue Route am Murterchömbel

Der Piz Murterchömbel fristet im Flüelagebiet wohl eher ein Aussenseiterdasein. Gemäss SAC-Führer wird er nur selten bestiegen und wenn dann vom Engadin. Was mich immer etwas verwundert hat. Denn vom Piz Champatsch aus macht der Piz Murterchömbel einen stattlichen Eindruck und thront wie ein Wächter über dem Val Grialetsch und dem Val Susaca. Schon bei unserer Besteigung des Piz Arpschella hatte ich das Gefühl, dass er auch von Norden zu besteigen sein müsste. Die Recherchen ergaben aber nichts und auch der SAC Führer beschreibt keine Route wirklich. Also Zeit dies zu ändern und das Gebiet Murtaröl zu erkunden.

Chant Sura – Murtaröl
Von Chant Sura aus stiegen wir zur Alp d’Immez ab, wobei wir etwas abkürzten um nicht bis P.2039 ausholen zu müssen. Es gilt zu beachten, dass im Val Grialetsch nur zwei Brücken über die Aua da Grialetsch führen. Hinter der Alp d’Immez stiegen wir auf Pfadspuren zur ehemaligen Kaverne Pradadaint der Sperrstelle Flüelapass auf. Bis zu dieser kommt man noch auf relativ guten Pfadspuren im T3 Gelände. Ab der ehemaligen Stellung Pradadaint wird es dann aber steiler und auch exponierter. Wir stiegen auf Pfadpuren direkt und steil weiter in die Rinne hoch. In dieser steigt die Steilheit zwar auf über 50° an, doch die teilweise vorhandenen Schafpfade entschärfen die Sache etwas. Auf rund 2200m querten wir auf einem Felsband nach Norden aus der Rinne hinaus. Im Anschluss ging es auf einem steilen Schafpfad über zwei Felsriegel durch die Flanke hoch. Kurz vor dem Felskessel Murtaröl überquert man dann noch ein Blockschuttfeld. Auf dem moränenartigen Geländerücken, an der westlichen Begrenzung, im Geröllkessel Mutaröl legten wir eine Pause ein und studierten die weiteren Aufstiegsmöglichkeiten.

Murtaröl – Piz Murterchömbel
Wir blieben bei unserem Plan und peilten, für den Aufstieg, die östliche Nordrinne an. Somit querten wir steil ansteigend durch den ganzen Geröllkessel bis zum Einstieg in die östliche Nordrinne hoch. Eine wahrlich mühsame Angelegenheit. Zum Glück hatte es noch einige Schneefelder und teilweise auch kompaktere Abschnitte wo das Geröll nicht ganz so mühsam war. Die Rinne selbst, ist eine wirklich imposante Erscheinung. In der breiten und langen östlichen Nordrinne fühlt man sich richtig winzig. Wir fragten uns ob hier schon jemals ein Mensch hochgestiegen war. In der Rinne selbst spult man rund 250 Höhenmeter ab und spulen kann hier durchaus wörtlich genommen werden. Im ersten Drittel dominiert Geröll und Kies. Weshalb wir an den ganz üblen Stellen freiwillig in die Randfelsen auswichen und dort hochkletterten. Auch wenn dies die Schwierigkeit punktuell in den III Grad hochtrieb. Doch das war immer noch viel angenehmer als das rutschen in der Rinne. Im Mittelabschnitt liegt aktuell noch ein grosses Altschneefeld welches beim Aufstieg punktuell etwas hilft. Leider war der Schnee an den meisten Stellen entweder gefroren und steinhart oder völlig durchnässt und man sackte ein. Weshalb wir hier für den Vortrieb den Randspalt nutzten. Im obersten Drittel zieht dann die Steilheit noch etwas an. Man bewegt sich im Bereich von 45°. Zum Glück ging das Geröll zum Grat hin immer mehr in Felsen über, was das Vorwärtskommen bedeutend angenehmer gestaltete. Beim Betreten des Nordostgrats wurden wir dafür mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Auf dem Nordostgrat ging es dann wieder einfach zum Gipfelaufbau und auf Pfadspuren durch die Südostflanke hinauf auf den Gipfel.

Piz Murterchömbel – Chant Sura
Das Gefühl auf dem Piz Murterchömbel war wirklich sehr erhaben. Vor allem wenn man den Murterchömbel auf dieser Route besteigt. Eine umfassende Rundsicht ist garantiert ebenso wie die Einsamkeit. Sogar Petrus meinte es gut mit uns und die Sonne schien wieder auf dem Gipfel. Trotz der fantastischen Aussicht wollten wir unser Wetterglück nicht überstrapazieren und machten uns bald mal wieder an den Abstieg. Um Zeit zu sparen wählten wir den Abstieg über das Schöntali ins Val Grialetsch. Denn in der Südwestmulde konnten wir ein riesiges Geröllfeld zum Absurfen nutzen. Rasch erreichten wir unten die lieblichen Weiden des Schöntäli. Für den weiteren Abstieg, peilten wir eine schwach ausgeprägte Rinne an, welche links neben dem Schriftzug «Schöntäli» zur Alp Grialetsch hinunter zieht. Steil aber zügig ging es so abwärts zur Alp, wo wir dann wieder die Aua da Grialetsch überquerten. Ab hier nun auf dem offiziellen Wanderweg über P.2039 zurück nach Chant Sura. Der Wanderweg ist aktuell in einem eher rustikalen Zustand. Man merkt, dass die Grialetsch-Hütte geschlossen ist und er Wanderweg aktuell wenig begangen wird. Unser Wetterglück blieb uns treu. 10 Minuten nach unserer Ankunft bei Chant Sura, begann es zu regnen.

Schwierigkeiten
Die Schwierigkeiten beim Aufstieg von der Alp d’Immez nach Murtaröl bewegen sich im T5 Bereich. Der Kessel von Murtaröl selber ist T4 Gelände. Der Aufstieg durch die Rinne ist bei unserer Routenwahl, über die Randfelsen, T5+ III-. Dies kann aber auf T5 II gedrückt werden wenn man konsequent in der Rinne aufsteigt. Der Aufstieg über den Nordostgrat zum Gipfel ist dann wieder T4 Gelände. Der Abstieg ins Schöntäli ebenfalls und der direktabstieg zur Alp Grialetsch bewerte ich mit T5- .

Route: Chant Sura – Alp d’Immez – Murtaröl – östliche Nordrinne – Piz Murterchömbel – Schöntäli – Alp Grialetsch – Chant Sura

Eckdaten Tour  
Distanz Aufstieg: 4.4km
Distanz Abstieg: 5.0km
Höhenmeter Aufstieg: 1200m
Höhenmeter Abstieg: 1200m
Dauer Aufstieg: 4h 30min
Dauer Abstieg: 1h 50min
Pausen: 1h 20min
Schwierigkeit: T5+  III-
Benötigte Karten: 459T Nationalpark 1:50000 Gelbe Wanderkarte von Swisstopo
Bestiegene Gipfel: Piz Murterchömbel 2998m
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