Flüela Wisshorn 3085m

In Berg- Alpintouren by StevenLeave a Comment

Das Flüela Wisshorn über die Ostflanke

Das war heute wirklich eine Tour der Superlative. Endlich war es wieder einmal auf der gesamten Tour wolkenlos und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Ich erinnere mich schon gar nicht mehr wann das das letzte Mal der Fall war. Zusätzlich konnte ich heute endlich eine alte Pendenz bearbeiten und erledigen. Nämlich den Ostaufstieg auf das Flüela Wisshorn. Bei jedem Besuch des Piz Champatsch hatte ich den Eindruck, dass ein Aufstieg durch die Ostflanke machbar sein müsste und tatsächlich war es möglich. Der Aufstieg bietet sogar viel Genuss, sofern man T5 Gelände liebt. Bei meinem letzten Besuch des Piz Champatsch Anfang Juli nahm ich mir diese Tour nun endlich vor. Recherchen ergaben leider keine brauchbaren Informationen im Internet und der SAC Führer, welcher die Route als «R.366 vom Flüela Hospiz durch die E-Wand» ausweisst, half auch nicht wirklich viel. Die Beschreibung zu grob und gibt nur in etwa die Richtung vor. Also brach ich heute auf zur Erkundung der Ostflanke.

Passstrasse – P.2777
Ich parkierte das Auto beim Parkplatz bei P.2340 und lief von dort kurz hinunter zur Querung über die Susasca, welche auch der Wanderweg nutzt. Danach stieg ich weglos in nordöstlicher Richtung den Hang hoch in Richtung Höhenkurve 2400m. Von meinen Champatsch besuchen wusste ich, dass die Flanke mit Schafpfaden durchzogen ist. Einer dieser Schafpfade traversiert die Flanke knapp unterhalb 2400m ins Tantermozza Chant Sura. Auf diesem ging es zügig und bequem ins Tantermozza Chant Sura hinein bis etwa auf 2540m hinauf in der Ostflanke, direkt unterhalb der beschrifteten Höhenkurve 2700m auf der LK. Hier nun mehr oder weniger direkt hinauf Richtung P.2777. Es hat überall Pfadspuren des Steinwilds welche genutzt werden können. P.2777 erklettert man am besten direkt von Süd nach Norden über Felsen und einer Rampe entlang. Das ist bequemer als durch das Geröll. Bei P.2777 lege ich dann eine Pause ein und geniesse diesen tollen Platz.

P.2777 – Gipfel
Von P.2777 ging es dann über Blockschutt an den Fuss der Südostschulter des Wisshorns heran. Hier bin ich etwa 10 Meter in die Flanke hochgestiegen und habe auf einem Band in die Ostrinne gequert. So konnte ich das Schneefeld im Aufstieg umgehen. Meine Idee war ja eigentlich in der Rinne hochzusteigen. Doch das erwies sich als sehr mühsam. Diese besteht aus feinem Kies und Sand. Da kann man sich zermürben im Aufstieg. Besser aber auch steiler geht es über die nördlichen Randfelsen. Welche eine genüssliche Kraxelei im I-II Grad bieten. Unterhalb des Gipfels gibt es dann mehrere Möglichkeiten. Hier kann man wählen was einem beliebt. Steil ist alles. Ich habe mich für eine Route im 45° steilen Felsgelände entschieden. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, es Punktuell auch Spuren über die Felsbänder hat und hier wohl ab und zu hochgestiegen wird. Kurz vor dem Gipfel kommt dann die Gipfelmarkierung in Sicht.

Gipfel und Abstieg
Die Ankunft auf dem Wisshorn war ein berauschender Moment. Es herrschte absolutes Traumwetter ohne eine Wolke und ich war völlig alleine auf dem Gipfel. Der Umstand, dass ich nun endlich das Wisshorn über die Ostflanke bestiegen hatte trug natürlich auch zu meinen Glücksgefühlen bei. Nach einer ausgiebigen Pause und dem Besuch des Vorgipfel machte ich mich wieder an den Abstieg. Dieser ging nun viel zügiger als der Aufstieg. Zuerst stieg und kraxelte ich wieder über die Felsflanke hinunter in die Ostrinne. Zur Beschleunigung nutzte ich ab hier nun direkt die steile Ostrinne mit dem Kies und Sand. Was den Abstieg sehr beschleunigte. Weiter unten halfen die vorhandenen Altschneefelder ebenfalls. Nach knapp 15min war ich bereits wieder bei P.2777 angelangt. Von diesem ging ich dann ans südliche Ende der Fläche unterhalb 2700m und von dort auf Pfadspuren in der Flanke hinunter bis auf ca. 2600m. Für den Rückweg traversierte ich die Flanke weiter oben im Steileren Gelände was den Gegenanstieg etwas reduziert. Durch den Südost- und Südhang des Wisshorns erreichte ich so absteigend wieder Passstrasse. Nun folgte die Belohnung im Kulm mit Caramelchöpfli und Milchkaffee.

Fazit
Der Aufstieg durch die Ostflanke auf das Wisshorn ist sehr lohnend vor allem landschaftlich und weil man hier sicher fast immer alleine ist. Technisch ist die Route ebenfalls T5 wenn auch die Schwierigkeiten hier etwas anders gelagert sind. Etwas weniger ausgesetzt als die Normalroute dafür steiler und mit mehr Schutt auf den Felsen. Im Führer ist die Route mit WS bewertet was sicher Stimmig ist. Der Zustieg muss nicht von Chant Sura her erfolgen. Sondern kann auch gut aus der Gegend des Schwarzhorn-Parkplatzes angegangen werden. Hier gilt es im Aufstieg einen Schafpfad zu nutzen das vereinfacht das vorwärts kommen.

Route: Flüelapassstrasse P.2340 – P.2777 – Ostflanke – Flüela Wisshorn – Ostflanke – P.2777 – Flüelapassstrasse P.2340

Eckdaten Tour  
Distanz Aufstieg: 3.7km
Distanz Abstieg: 3.7km
Höhenmeter Aufstieg: 890m
Höhenmeter Abstieg: 890m
Dauer Aufstieg: 3h
Dauer Abstieg: 1h 20min
Pausen: 1h 30min
Schwierigkeit: T5   II
Benötigte Karten: 258T Bergün 1:50000 Gelbe Wanderkarte von Swisstopo
Bestiegene Gipfel: Flüela Wisshorn 3085m
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